Pressestimmen

Tagblatt Online, 26. Februar 2013 01:35:1

Geigenklänge und Gedichte

Violinist Artiom Shishkov und Sprecher Alexander Seidel. (Bild: art)
Violinist Artiom Shishkov und Sprecher Alexander Seidel. (Bild: art)

Am Konzert «Musik und Poesie» spielten Artiom Shishkov und Alexander Seidel ein brillantes Doppel für Geige und Sprecher. Nur blieb die Kirche fast leer.

CHRISTOF LAMPART

WEINFELDEN. Brillant und doch behutsam, akzentuiert und doch nicht zu impulsiv. Auf diesen Nenner lässt sich bringen, was unter dem Titel «Musik und Poesie» am Sonntagabend in der evangelischen Kirche Weinfelden erklang. Der vom Verein Pro Classic+ organisierte Konzertabend war höchst hörenswert, zumal hier Musik- und Wortklang symbiotisch zusammenfanden.

Der weissrussische Violinist Artiom Shishkov und Sprecher Alexander Seidel gestalteten einen Abend, der weit mehr als die nur 30 Zuhörerinnen und Zuhörer verdient gehabt hätte, welche den Weg ins Gotteshaus fanden.

Vom Zauberer und der Glocke

Speziell war dieses Konzert auch, weil neben Werken von Bach, Paganini und Ysaye auch regionale Literaturperlen von Alfred Huggenberger und Emanuel von Bodman erklangen. Seidel wusste mit seiner facettenreichen Stimme kleinen Gedichten wie «Der Zauberer», «Ferne Glocke» von Bodman oder «Rückschau» und «Kleines Abendlied» von Huggenberger Glanz zu verleihen. Etwas, was auch Artiom Shishkov im wahrsten Sinne des Wortes ebenso «spielerisch» gelang.

Eine Fuge als Meisterstück

So präsentierte er beispielsweise die Interpretation der ersten beiden Sätze aus Johann Sebastian Bachs a-Moll-Sonate Nr. 2 und die «Ballade» von Ysaye stupend. Beim Grave gab er dem improvisierenden und sanft ausschwingenden Charakter des Satzes Struktur. Und die anschliessende, ebenso einprägsame Fuga geriet zum Meisterstück, bei dem die Zuhörer gebannt lauschend den Atem anhielten.